Es gab aber noch einen weiteren Skandal an unserer Schule.
Ja, nicht nur Parties "bei denen das Magische Auge eines Radios die einzige Beleuchtung war"

staatsbuergerkundelehrer Hevekerl

(lt. Hevekerl, der musste es ja wissen...)

sondern auch Ausschweifungen, bei denen Dormutil, gemischt mit Wodka, im Spiel war.


dormutil DDR Werbung

Nina Hagen beschreibt ihre Erfahrung in ihrer Autobiografie 'Bekenntnisse' folgendermassen:

„Meine beste Freundin und ich waren zu einer Party eingeladen worden. Die Party fand in einer
Ostberliner Laubenpieperkolonie statt. Es gab Zigaretten und Bier, vor allem aber supercoole Leute,
die alle ziemlich viel älter waren als wir. Mit wilden Mähnen tanzten sie sich da die Nacht um die Ohren.
Plötzlich kam ER zu dieser Party... Ich fühlte mich merkwürdig stark von ihm an- und später leider auch
ausgezogen. Wir tanzten, er hielt mir eine Hand voll Pillen hin.
Er sagte: ,Nimm mal eine! Dormutil. Gibt dir einen wahnsinnigen Kick! Du musst ordentlich Bier hinterherkippen.‘
Plötzlich steckt Christian seine Zunge in meinen Mund.
Der Alkohol- und Dormutilcocktail fuhr mir immer heftiger in den Kopf.
Sehr bald lag ich mit Christian auf weichen Unterlagen, vielmehr lag Christian auf mir drauf
und machte rätselhafte Dinge mit mir. Ich hatte nicht die geringste Peilung, was das für ein Körperteil war,
das sich da zwischen der unteren Verschlungenheit von Nina und Christian breitmachte.
Erst recht hatte ich keine Ahnung, warum er wollte, dass ich doch wenigstens meine Hände nach unten,
zu diesem Ding hin, bewegen sollte, und was es mit der mechanischen Bewegung auf sich hatte,
die ich daran ausführen sollte. Immer rauf und runter, wie seltsam...
Ich kam nicht im Geringsten auf den Gedanken, dass das Sex sein könnte oder mit Sex zu tun haben könnte.“

So ahnungslos waren wir natuerlich nicht.

Fortan war man der Meinung, bei dem Schlafmittel Dormutil handele es sich um eine Sexdroge
Es heisst, dass wenig später die Sache aufflog und sogar zur Staatssaffaere wurde:
Die Stasi verhörte Nina Hagen über den Abend. Ob das frueher oder spaeter als unsere Erfahrung war,
weiss ich nicht. Es führte jedenfalls dazu, dass Dormutil aus dem freien Verkauf genommen wurde.

Bei dem Wirkstoff Metaqualon handelt es sich interessanterweise um die gleiche Substanz, die etliche Jahre
danach in den USA als Qualuude bekannt wurde, was wiederum eine Rolle in dem Film "Der Wolf von Wall Street"
eine Rolle spielt.

qualuude

 
Shel Silverstein sang:

"She fumbles and stumbles
And falls down the stairs,
Makes love to the leg of the dining room chair.
She's ready for animals, women or men.
She's doin' quaaludes again.
Quaaludes again.
Again.
Again.
Quaaludes again."



Song Quaaludes Again auf YouTube

Zum Weiterlesen:

Dormutil was the East German trade name for a nonbarbituate sedative more commonly known
in the West as Methaqualone, produced by State pharma in the DDR – and its over-the-counter
availability led to widespread abuse (it’s apparently the same drug used recreationally as ‘disco-biscuits’
in the Glam Rock clubs of ’70s America. Interesting, given that I’ve seen a few historians argue there was
no recreational drug use in East Germany…


https://www.jewiki.net/wiki/Methaqualon

https://prezi.com/o4x5rjtmjxi9/quaaludes/


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